Langsam finde ich meinen Alltag wieder. So langsam es eben geht: Die Bäume fliegen noch immer an mir vorbei, wenn ich die Augen schliesse. Spüre seine Hand auf meinem Oberschenkel und bin ganz bei mir. Ich habe noch immer Euros zwischen den Franken im Portemonnaie . Ich lasse sie dort, in zwei Wochen brauche ich sie wieder. Gut gibt es in Europa fast nur noch eine Währung. Aber auch schade, irgendwie.
Die vielen Eindrücke der letzten Tage sind in meinen Träumen sortiert worden: Ich rutschte letzte Nacht mit einer fat boy aus einer extremen Kurve, verlor einen langen Augenblick den Asphalt und flog plötzlich durch eine Gegend voller Apfelbäumen.
Ich kann fliegen !
Obwohl wir tagelang zusammen waren, ist keine Sattheit spürbar. Eher eine Leere, die nicht mit Worten und sms füllbar ist, sondern nach Berührungen verlangt.
Musik in meinem Kopf, die uns immer wieder begleitete.
Das da und das dumpfe Tuckern der Motoren.
Mein Grossvater fuhr niemals Auto, nur Fahrrad und seine geliebte
Motosacoche. Kindheitererinnerungen werden wach, gelebte und erträumte. Ich erinnere mich , wie er mir mal erklärte wie der Motor funktioniert.Wir standen neben seinem Motorrad und mir fiel auf, dass seine Augen zwei verschiedene Farben hatten. Eines war braun, das andere grün. Allerdings stand sie nur noch leblos in der Garage, als ich geboren wurde. Der Mythos aber starb nicht.
Meine pubertierende Mitbewohnerin lässt die böhsen Onkelz so laut spielen im Wohnzimmer, dass ich ihr einen fragenden Blick zuwerfe.
Unterwegs sein, berührende Begegnungen. Von ihm und den Musen geknutscht werden. Die Welt um mich herum geniessen und mir einen Regenbogen an den Horizont denken.
Ich schliesse die Augen und spüre seine Hand auf meiner Schulter.
Bedingungslos. So einfach.