Kinderzimmer

10
Nov
2007

Das Ende ist nahe

Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern und tyrannisieren ihre Lehrer.
Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen.


Diese Meinung über die, zugegeben nicht immer einfachen, Jugendlichen, ist nicht neu.
Im Grunde ist sie sogar sehr alt : Die Zitate sind von Sokrates und Aristoteles.
Und als Oberhäuptling von drei akut pubertierenden Teenager beruhigt mich folgendes:


Unsere Jugend ist heruntergekommen. Die jungen Leute hören nicht mehr auf ihre Eltern. Das Ende der Welt ist nahe.

Wenn das stimmen würde, können wir garantiert noch 2000 Jahre mit denen zusammen diesen Planeten hüten.
Dieses Zitat ist nämlich aus 2000 vor unserer Zeitrechung.


Fight for your right...oder so.

6
Nov
2007

Konform

Ich habe noch nie einen Lehrer kennen gelernt, der von sich behauptete, ein typischer Lehrer zu sein.
Wie hart das sein muss, täglich gegen das schlechte Image zu kämpfen. Gegen die vernachlässigte Erziehung der
Kinder und dafür die Rechnung präsentiert zu bekommen. Mit dem Wissen, dass man eh keine Chance hat. Dass die Eltern es doch besser wissen oder sich um die Verantwortung drücken.
Und die Ahnung im Nacken, dass man in einem Konzept feststeckt, dass nicht auf Individuen eingestellt ist. Keine wirkliche Entfaltung der Schüler zulässt. Weil es einfacher ist, jungen Menschen das freie Denken zu verbieten. Und stattdessen Konformität staatlich zu züchten.

16
Okt
2007

Affen mögen keine Musik

Wir standen im Stau, kleiner jüngster Mitbewohner und ich . Das Autoradio lief:
Eine neue Studie ergab, dass Affen keine Musik mögen und ….Blablabla.
Ich hörte nur mit einem Ohr zu.
Mitbewohner weckte meine Aufmerksamkeit:

-Sie spinnen, echt jetzt.
-Wer ? Die Affen ?
-Nein. Interessiert es dich, dass die Affen keine Musik mögen ?
-Nicht wirklich.
-Eben . Warum geben die Forscher Geld und Zeit für so einen Mist aus, der nichts bringt ?
-Wo sollten sie deiner Meinung nach forschen und wofür Geld ausgeben ?


Ich stellte mich innerlich auf ein Statement ein, indem ein Kaugummi eine grosse Rolle spielt, der noch nach einer halben Stunde nach Erdbeeren schmeckt. Oder der Entwicklung einer Coke Flasche, die sich selbständig füllt, wenn sie leer ist. Oder einer Schule, die 50 Wochen Ferien anbietet und den Stoff trotzdem vermittelt, im Schlaf oder so.

-Aids. Einem Impfstoff dagegen. Oder etwas gegen den Hunger auf der Welt. Oder dass die Bäume nicht sterben. Sowas. Verstehst du ?
Ich schluckte. Der dicke Klumpen in meinem Hals ging davon nicht weg. In mir breitete sich diese Wärme aus, die aus einer unendlich grossen Liebe wächst.

-Schatz ? Das würde komisch aussehen, wenn ich dich jetzt ganz heftig umarmen würde und dir einen dicken Kuss auf die Wange drücken würde . Oder ?
-Oh. Lass das bitte. (Leicht angewiderter Tonfall. ) Das bringt die Forschung ja auch nicht weiter.

Ich lachte. Laut.
-Ich liebe dich mein Grosser .

11
Okt
2007

Wilde Jungs mit Herz

Sie sind wild, oder tun zumindest so. Hören sehr laute Musik, trinken Bier und rauchen. Manchmal.
Wenn sie in den netten Einfamilienhäusernquartieren, jene mit den Geranien und den Gartenzwergen im Vorgarten, auftauchen, werden sie vertrieben.
Für mich sind das noch Jungs, die in die Küche kommen, wenn sie sich geschnitten haben und verpflastert werden wollen. Jungs die, wenn ich sie rufe, mit ihrer Bohrmaschine Löcher in meine Wand bohren. Oder einfach Jungs, die abends in der Küche auftauchen und fragen, ob sie mir am nächsten Tag den Rasen mähen dürfen. Und das viele Unkraut ausreissen. Und die Brombeeren zurückschneiden.
Sie wissen, dass ich ihnen kein Geld dafür gebe.

Aber sie wissen auch, dass ich sie akzeptiere. Ihnen zuhöre und auch mal zu spät zu einem eigenen Treffen komme, weil ein Problem geklärt werden muss . Diskutieren. Zuhören.
In der Küche, mit einem Tee für alle.
Und ich staune immer wieder über die Sozialkompetenz dieser Gruppe, wenn man ihnen die Chance gibt, ihr Herz zu öffnen .

Respekt

7
Okt
2007

Die Königin der Rennbahn

Einmal die Königin der Strasse sein: Vollgas in die Kurve, das Adrenalin platzen spüren und die Synapsen zum glühen bringen.
Ich. Und die nächste Kurve, ungebremst, weiter auf das Gaspedal drücken. Die Bahn vor mir ist frei, bin ich an der Spitze ?
Einen kurzen Moment das Gefühl der Siegerin auf dem holprigen Asphalt der Rennbahn auskosten bis….Meine Mitbewohnerin an mir vorbeizieht. Links. So schnell, dass ich plötzlich das Gefühl habe stillzustehen. Und obwohl sie irgendwann quer in der Kartbahn steht, schafft sie mehr Runden als ich….
Ich wurde tempomässig geschlagen.
Und das, obschon ich nur dank einer fiesen List, eigentlich ungewollt, in den Kart stieg :

Komm schon.
Nein.
Es wird dir Spass machen.
Nein.
Hast du Angst ?
Nein. (Naja. Ein bisschen vielleicht.)
Mam. Wir zwei. Komm schon.
Nein.
Doch.
Nein.
Sei nicht feige.
Ich bin nicht feige. Gar nicht. (Nur ein bisschen.)

Okay. Münzen werfen. Das Schicksal wird zu meinen Gunsten entscheiden. So und nicht anders.
Wenn Zahl oben ist, komme ich mit.

Er warf die Münze. Zahl war oben. Mein Ehrenwort gilt. Ich fuhr mit. Und erfuhr erst nach der Fahrt, dass die Zahl der Münze immer oben gewesen wäre: Ich wurde betrogen. Aber es hat Spass gemacht.


Highway to...hell

18
Sep
2007

Schule

Idyllisches Dorfleben: Beim Elternabend der Schule sind nur, äusserlich, glückliche Paare anwesend. Sie lächeln, nicken unisono, die Hälfte von ihnen ist untereinander verwandt und sie tragen akkurat gebügeltes. Ich fühle mich konstant beobachtet und esse alleine den Teller mit den Snacks leer. Beim fluchtartigen Verlassen des Schulzimmers vor dem Kuchenessen, werfe ich laut scheppernd einen Stuhl um.Ich geniessehabe die volle Aufmerksamkeit aller. Danke, mir geht es gut.
Ich humple heim und lege Eis auf das lädierte Knie.Und trinke ein Glas guten Rotwein, für das lädierte Selbstvertrauen.

13
Sep
2007

Apfelmus

Das kleine Mädchen, kniete am Boden und schaute sich mit verschränkten Armen etwas an, was vor ihr lag. Für mich nicht ersichtlich was es war. Nur Kinder schaffen es, total in der Beobachtung aufzugehen, berührend. Als ich an ihr vorbei gehe, sagt sie :
„Er hat sich weh getan“.
Ich bleibe stehen, da ist niemand ausser uns zwei. Bücke mich und sehe einen Apfel am Boden liegen.
„Der Apfel meinst du ?“
„Ja, wenn ich bei ihm bleibe, ist er nicht so alleine“

Der Baum auf der Wiese trägt schwer an den roten Äpfeln, der abgeworfene Kerl muss ein ganzes Stück gerollt sein.
Die Kleine hat ihre Arme noch immer vor der Brust verschränkt, den Blick konzentriert auf das Obst gerichtet.
„Du könntest ihn essen, dann würde er nicht so da liegen ?“
„Nein. Er ist so tief gefallen, ich kann ihm nicht noch mehr weh tun“
„Soll ich dir einen anderen Apfel holen, damit er nicht alleine ist ?“
Sie schüttelt den Kopf, die blonden Haare leuchten in der Sonne.

Plötzlich steht sie entschlossen auf, verlagert ihr Gewicht auf das linke Bein und stampft den Apfel mit der ganzen Kraft zu Matsch.
„So. „ Sagt sie und schaut mich an. „Jetzt leidet er nicht mehr“
Dann lacht sie, winkt mir zu und rennt die Strasse hoch.

17
Aug
2007

Die neue Schultasche

stifte




Ich hatte die ganze Nacht nicht geschlafen, oder zumindest empfand ich es so. Die Vorfreude allerdings überwog die Angst, die ich hatte. Eine Nervosität, die mich sogar die Morgenmilch stehen liess: Ein neues Leben begann, ich fühlte mich sehr erwachsen, als ich die Schultasche , sie war aus Leder und roch anziehend, an meinen Rücken warf und viel zu früh das Haus verlassen wollte.
„Zur Schule darfst du nie zu spät kommen. „
Hatte meine Mutter mir gesagt. Also wollte ich früh genug dort sein am ersten Tag.
Wir waren gerade umgezogen, von einem Dorf ins nächste und ich kannte niemanden. Meine Gedanken spielten verrückt, waren noch immer französisch und ich fror in dem Kleid, das ich an diesem Tag anziehen musste. Ich trug ungern Kleider, sie waren hinderlich , liessen den Blick frei auf immer zerschrammte Beine und lädierte Knie. Mit der Brille auf der Nase, auch die hasste ich (noch mehr als Mädchenkleider) , und einen langen, blonden Zopf der mir den Rücken herunter hing, betrat ich das Schulzimmer.
Es war laut, sehr laut. Die Lehrerin hübsch mit kurzen, schwarzen Haaren. Mir war klar: So wollte ich auch aussehen, wenn ich grösser war. Genau so !

Abends hatte ich dann viele neue Freundinnen und eine Schultasche mit Büchern darin, die in Papier eingeschlagen werden mussten.
Weisses Papier mit grünen Blättern und kleinen, roten Glückskäfern darauf. Ich durfte die Hefte mit meinem Namen versehen und ich liebte die Schule. Das wusste ich.

Wir hatten den ersten Buchstaben gelernt: Das grosse ‚I’. Ich schrieb eifrig die ersten Zeilen mit unzähligen ‚I’ , konzentriert mit meinem neuen Bleistift. Und weil die Lehrerin so nett war, wurde mir bewusst: Das will ich auch. Lehrerin werden.
Genauso wie sie: Mit dunklen Haaren und ohne Brille. Und mit den gleichen roten Hosen wie sie die trug .


Pink Floyd

6
Aug
2007

Lila ist anders

Nachdem ich bereits gestern aus dem Hinterhalt angegriffen wurde Lila, du bist doch Lila….Mein Gott, ich habe dich seit der Schule nicht mehr gesehen, passierte es mir heute schon wieder. Die Vergangenheit holt Mensch immer wieder ein.
Während ich gestern vergebens in meinen Hirnwindungen die passende Erinnerung suchte zu dem Harleymann, der sich so ausgiebig freute mich zu sehen, erschlugen mich die eingeblendeten Bilder heute fast . Pan sass auf meiner Schulter und flüsterte mir Gemeinheiten ins Ohr. Längst vergangene Erlebnisse mit der damaligen Schulfreundin die mir jetzt gegenüberstand:

Sie umarmte mich in einer Einkaufsmeile und ihr Deo nebelte mich ein. Nach langen Sekunden entliess sie mich von ihren üppigen Brüsten, die mir fast den Atem nahmen.
Sie hat an Gewicht zugelegt und das tsscchhhaaa, erfüllte mich mit Befriedigung: Oh Götter es gibt eine Gerechtigkeit .
Damals war sie immer dünner als ich, obwohl sie viel mehr Bountys ass als ich, immer tief in die Tüte der Chips griff und sich im Sommer von Eis ernährte. Sie hatte mehr Taschengeld als ich und musste nie was dafür tun. Während ich in meiner Freizeit mit Hunden Gassi ging oder das Fahrrad meines Grossvaters putzte um ein paar Franken mehr zu haben, bekam sie es geschenkt.
Sie war besser in der Schule, durfte abends immer viel länger weg als ich und sie hatte die schöneren Kleider als ich.
Mir schien, dass sie in allem einfach besser war als. Weil sie nicht so schüchtern war wie ich, bekam sie immer die schönsten Jungs. Sie war die Diva der Schule und ich das verträumte Mädchen, das während den Schulstunden Hefte vollkritzelte und das Wolkenspiel hinter den Fensterscheiben beobachtete. Und still Pläne schmiedete, wie sie bunte Länder bereiste und irgendwann eine Berühmtheit werden würde: Aschenputtel hiess Lila, nur wusste das niemand.

Diva heiratete den Jungen, den wir alle damals in unseren Träumen umarmten und mit Pfefferminzatem küssten. Und er war heute dabei, als sie mich mit ihren Armen umschloss. Er stand daneben. Ich hätte ihn fast nicht erkannt: Er trägt jetzt einen Bierbauch und eine Glatze.
Ich lachte, als ich in Gedanken das goldene Podest umstiess, auf die ich die früher gestellt hatte.

Mit dem zerknüllten Zettel mit ihrer Telefonnummer in der Hand lief ich weiter. In einer gespiegelten Fläche konnte ich Lila sehen und ich warf ihr einen Kuss zu . tsschhhaaa.


Ramones...hat sich damals in die Gehörgänge eingebrannt.

30
Jul
2007

Jugendfreie Zone

Nach nunmehr drei Wochen konstanter und umfassender Belagerung des Hauses durch Teenager, Schulferien, brauche ich ein paar Tage Ruhe zur Rekonvaleszenz:
Sie machten die Nacht zum Tag, blockierten knutschend das Sofa und schafften es, über Nacht den Kühlschrank in eine Einöde zu verwandeln. Wenn ich von der Futterbeschaffung heimkam, konnte ich mir am Eingang schon ein Bild darüber machen, wie gross die Truppe drinnen ist: Ich brauchte nur FlipFlops und Turnschuhe zu zählen, die den Zugang zum Haus versperrten. 8 Paar DC und Vans und Etnies waren es kürzlich. Wir pennen alle hier, gut, nicht ?
Aber mit der Festivalstimmung hier ist jetzt Schluss: Ich habe etwas gefunden, dass die Mutanten ab sofort vom Haus fernhält.
Zuerst montiere ich die Sirene an den strategisch wichtigen Orten. Ab sofort wieder mein Sofa. Mein Lippenstift. Mein Kühlschrank. Mein Comp. Mein Bad. Meine Soundmaschine. Alles wieder meins. Dieser Alarm ist die beste Erfindung seit Ritalin und dem Kinderkerker im Keller. Das akkustische Signal kann nur, ohrenbetäubend und schrill, von unter 25 jährigen wahrgenommen werden. Ich plane die Montage von ein paar Kästen beim Eingang des Hauses, sicher ist sicher.

Danach werde ich in nächtlichen Aktionen den Kühlschrank leerfuttern, mich knutschend auf dem Sofa wälzen und die ganze Nacht Horrorfilme schauen und ich lade dazu alle meine Freundinnen vom Tupperwareclub ein. Oh ja.
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Tausendundzwei Erzählungen

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Bemerkungen :

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Madame Lila - 30. Nov, 13:14
hab da noch ein passendes...
hab da noch ein passendes bild dazu gefunden... ;o) http://www.wildbits.de /wp-content/myfotos/artike lbilder2/ehe.png
heimlifeiss - 29. Nov, 14:37
genau, das ist das buch!...
genau, das ist das buch! - dann freue ich mich noch...
falki - 28. Nov, 19:04
Es ist anscheinend die...
Es ist anscheinend die Verfilung eines Buches von Jon...
acqua - 28. Nov, 13:09
genau meine währung...
genau meine währung film... danke für den...
falki - 28. Nov, 13:06
ich sollte wohl mal wieder...
ich sollte wohl mal wieder ins kino gehen - und die...
fata morgana - 28. Nov, 10:09
du kannst ja ins Welschland...
du kannst ja ins Welschland fahren, ist ja nicht weit...
theswiss - 28. Nov, 09:35
Zuerst der Film. Dann...
Zuerst der Film. Dann der Soundtrack. Maybe. (Wenn...
Madame Lila - 28. Nov, 07:16

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Zuletzt aktualisiert: 30. Nov, 13:14

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